Hochwasserschutz wird Millionenprojekt



Ein Hochwasserschutzkonzept wird für das gesamte Stadtgebiet erstellt. Einstimmig hat der Gemeinderat ein Ingenieurbüro beauftragt. Kosten: rund 197000 Euro. Die Umsetzung der angedachten Projekte wird Millionen kosten; dies machte Oberbürgermeister Christof Florus deutlich.

Nach einer Kosten-Nutzen-Analyse der einzelnen Vorhaben werde die Stadtverwaltung dem Gemeinderat eine Prioritätenliste zur Abstimmung vorlegen. Man werde kein Gebiet vergessen, betonte Bürgermeisterin Brigitte Schäuble mit Blick auch auf den Hochwasserschutz in Bad Rotenfels. Die Flächen dort seien lediglich in der Zuständigkeit eines anderen Ingenieurbüros.

Die Murg gilt als Gewässer erster Ordnung; zuständig für Unterhaltung und Gewässerschutz ist das Regierungspräsidium. Die Zuflüsse sind Gewässer zweiter Ordnung; hier steht die Stadt in der Sicherungspflicht. Das ist nicht immer einfach. „Leider sind Anwohner nicht sehr einsichtig“, berichtete Schäuble aus dem Alltag in Sachen Hochwasserschutz. Widerstand gebe es zuweilen, zum Beispiel beim Wunsch der Stadtverwaltung, eine Ufermauer ein Stück zu versetzen. In Bad Rotenfels seien die Mitglieder des Bauausschusses sogar „vom Hof gejagt worden“.

Auch bei der dringend notwendigen Sanierung der Sulzbach-Verdolung in der Dorfstraße in Sulzbach gebe es Probleme. Schäuble: „Der Hammer ist einfach: Derjenige, der das Grundstück hat, wo der Einlauf vergrößert werden müsste, der macht nicht mit.“ Auch in Selbach habe sich die Stadt eine „blutige Nase“ geholt, als sie auf die Einsicht der Bachanlieger gehofft habe.

Oberbürgermeister Florus zeigte sich optimistisch: Vielleicht werde die Stadt künftig mit einer „rechtlichen Handhabe“ uneinsichtigen Anwohnern von Fließgewässern gegenübertreten können. Planer Joachim Wald bekräftigte diese Ansicht: Nach einer Genehmigungsplanung für Hochwasserschutzmaßnahmen könne die Stadt notwendige Maßnahmen im Bedarfsfall durchsetzen.

Zunächst aber werden im laufenden Jahr Flussgebietsuntersuchungen vorgenommen. Nach Planung von Schutzmaßnahmen soll die Zustimmung der Eigentümer eingeholt werden; auch Grunderwerb ist nicht ausgeschlossen. Nach einer Prioritätenliste – sie ist noch nicht beschlossen – werden die Projekte abgearbeitet (wir berichteten bereits).

Mindestens 800000 Euro pro Jahr sollen investiert werden. Wie lange? „Jahre, vielleicht sogar Jahrzehnte“, machte Oberbürgermeister Florus deutlich. Je teurer die Vorhaben, umso höher der Prozentsatz der Zuschüsse durch das Land. 40 Prozent gibt es beispielsweise bei einem Vorhaben von 1,5 Millionen Euro; bereits 60 Prozent gibt es bei drei Millionen Euro.

Joachim Wald von der Ingenieursgesellschaft Wald und Corbe aus Hügelsheim eröffnete seinen Vortrag mit einer umfassenden Darstellung über sein Unternehmen, ehe er über allgemeine Ausführungen zum Hochwasser letztlich zum eigentlichen Thema kam.

Den Seitenbächen der Murg komme bei Hochwasserschäden im Stadtgebiet eine große Bedeutung zu, erläuterte er. So sei der Selbach bereits bei einem zehnjährlichen Ereignis ein Problem. Für den Zustand der Bäche ist die Stadt zuständig, folgerichtig führte er also seinen künftigen Auftraggebern Szenarien vor Augen: Überflutungen im Innenstadtbereich bis in die Fußgängerzone seien insbesondere durch den Michelbach zu befürchten – falls keine Maßnahmen ergriffen werden.

Ratsmitglied Reinhold Künstle (Grüne) erinnerte an den Böhrbach. Dessen Verlauf auf Baden-Badener Gemarkung führe zu Problemen in Selbach. Es sei sinnvoll, mit der Nachbarkommune zu reden. Nach Auskunft der Stadtverwaltung hatte sich Baden-Baden mit 35 Prozent unter anderem an den Baukosten des Rückhaltebeckens im dortigen Bereich beteiligt. Niederschlagswasser aus Ebersteinburg sei ein Thema in Selbach.

Quelle: BT Gaggenau